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12.3.11 | 11.00-13.00 Uhr | Armeeausbildungszentrum Luzern

Wertsteigerung durch Gebäudelabels

Auch für Experten ist es schwierig, bei der Vielzahl an Gebäude- und Nachhaltigkeitslabels in der Schweiz und im Ausland den Überblick zu behalten. Noch viel schwieriger ist es für Laien, sich im Labeldschungel zu orientieren. Die Folge sind Forderungen nach einem einzigen, umfassenden Label oder zumindest nach einer Reduktion und Vereinfachung der Labels. Doch Publikum und Referenten waren sich einig, dass die grosse Auswahl letztlich eine Chance bedeute für Fachleute und Bauherren. Konkurrenz belebe das Geschäft, so der Tenor. Oder in den Worten von Minergie-Geschäftsführer Franz Beyeler: «Das Bessere wird überleben».

Hohe Erwartungen an die Labels

Allerdings sei die Wahlfreiheit nur dann wirklich gewährleistet, wenn eine grössere Transparenz und Übersichtlichkeit herrsche als bisher, so Roland Stulz von der Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft. Es müsse für jeden klar sein, welches Label wofür stehe. Nur so könnten alle an einem Projekt Beteiligten auch tatsächlich entscheiden, welches Label für sie das richtige sei. Auch die Fachstelle 2000-Watt-Gesellschaft selbst müsse verstärkt das Gespräch mit den Labels suchen und auch eigene Ansprüche an diese formulieren. Stulz formulierte dann auch gleich Erwartungen an die Gebäudelabels: wichtig sei, dass sie den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes im Blick hätten, und nicht nur den Ist- oder Anfangszustand. Ausserdem müssten Labels weitere Entwicklungen antizipieren (Beispiel Smart Grid) beziehungsweise dafür offen sein, sonst könne die paradoxe Situation entstehen, dass Labels positive Entwicklungen verhinderten. Auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft müsse endlich auch die Suffizienz richtig angepackt werden, hier könnten auch die Labels einen Beitrag leisten.

Dr. Michael Schwarz, Ingenieur bei Drees & Sommer, Stuttgart, stellte die ausländischen Labels Leed (USA), Breeam (Grossbritannien) und DGNB (Deutschland) vor. Er empfahl, die Labels Leed und Breeam nur zu wählen, wenn der Auftraggeber sich in einem internationalen Kontext bewege und das Gebäude international vergleichbar sein müsse. Ansonsten seien Labels wie DGNB für Deutschland oder Minergie für die Schweiz sinnvoller, da sie besser auf die jeweiligen Verhältnisse zugeschnitten seien. In der Schweiz ist ausserdem mit SGNI eine für die Schweiz adaptierte Version des DGNB in Erarbeitung. Professor Urs Rieder von der Hochschule Luzern empfahl seinerseits, nach Gebäudetypen zu differenzieren: einfache Labels – wie zum Beispiel Minergie – sollten für Wohnbauten oder kleinere Dienstleistungsbauten, umfassende Labels wie DGNB für grosse Gebäude verwendet werden.

Roland Stulz macht einen gedanklichen Schritt in die Zukunft und vermutete, dass eines Tages grössere Einheiten als Gebäude mit Labels zertifiziert würden, nämlich ganze Stadtviertel. Die 2000-Watt-Gesellschaft und der SIA würden schon jetzt über die Nachhaltigkeit von grösseren Arealen nachdenken. Insgesamt wurden die Gebäudelabels am Workshop grundsätzlich wohlwollend kommentiert. Vereinzelt gab es aber auch kritischere Worte. Ein Architekt mahnte am Rand der Veranstaltung, Labels würden gelegentlich auch missbraucht, zum Beispiel von schlechten Architekten, um ihre Architektur besser an den Mann oder die Frau zu bringen. Dabei sei eine Minergie-Zertifizierung an sich noch kein Merkmal für qualitativ hochstehende Architektur.

Grosser Nachholbedarf bei Altbauten

Immer wieder konzentrierte sich die Diskussion auf die Altbauten in der Schweiz. Hier bestehe eine krasse Diskrepanz zwischen öffentlicher Wahrnehmung und Realität. Alle sprächen über die Nachhaltigkeit bei Neubauten, dabei sei bei Neubauten Nachhaltigkeit praktisch Standard, während bei Altbauten ein riesiger Nachholbedarf bestehe – und auch ein enormes Potenzial. Denn durch die energetische Sanierung des bestehenden Gebäudebestands könnte so viel Energie und CO2-Ausstoss eingespart werden, wie sonst nirgends. Rund 70 Prozent der Gebäude in der Schweiz seien «Energieschleudern».

Und doch befinden sich unter den 21’000 Minergie-Zertifizierungen nur gerade 2’000 sanierte Altbauten. Minergie-Geschäftsführer Franz Beyeler bringt die paradoxe Situation auf den Punkt: «Bei ganz vielen Häusern in der Schweiz hat sich in den letzten fünfzig Jahren gar nichts verändert, einmal abgesehen vom Rasenschnitt alle 14 Tage.» Zudem würden statistische Angaben über Altbausanierungen fehlen und mit staatlichen Fördergeldern teilweise energetisch falsche Sanierungsmassnahmen finanziert.

Aus dem Publikum war schliesslich zu hören, entscheidend sei nicht die Technik, sondern der Faktor Mensch. Konkret heisse das, dass bei den Fachleuten vermehrt die Lust geweckt werden müsse am Sanieren und an der entsprechenden Beratung der Hausbesitzer. Nur wenn die Hausbesitzer positiv und umfassend informiert seien und wüssten, mit welchen Massnahmen welche Wirkung erzielt werden könne, würden sie auch mitmachen. Ein Architekt aus dem Publikum schlägt vor, Preise auszuschreiben für die besten Modernisierungen, um so den Ehrgeiz zu wecken und den Wettbewerb anzukurbeln.

Referenten:

  • Roland J. Stulz, Geschäftsführer Novatlantis

  • Franz Beyeler, Geschäftsführer Minergie

  • Dr. Michael Schwarz, Drees + Sommer AG

Moderation:

  • Georg Halter, SF Tagesschau

Diskussionsleitung:

  • Prof. Urs Rieder, HSLU

Impressum:

  • Konzept + Produktion: IEU AG, Liestal, www.ieu.ch

  • Interviews: Georg Halter, SF Tagesschau

  • Fotos: Simon Aurel Schwarz

Finanziert durch den FGE und die BGT SIA